Enttäuschung oder vielversprechender Neustart? Die Kritiker sind sich alles andere als einig über den neuen Spider-Man-Film. Wir haben uns ein eigenes Bild gemacht.
Was Peter Parker im neuen Spider-Man-Abenteuer erlebt, kommt irgendwann auf die allermeisten von uns zu, sofern wir es nicht schon hinter uns haben. Irgendwann, so ab Mitte 30, Anfang 40, stellt man fest, dass es mit der Unbefangenheit, mit der man bislang durchs Leben gegangen ist, vorbei ist. Körper und Geist verzeihen nicht mehr jede Eskapade, man hat bei weitem nicht alles erreicht, was man erreichen wollte, und der tägliche Daseinskampf entpuppt sich weniger als heroischer Showdown denn als ein kräftezehrender Dauerlauf. Bei Peter kommt nun noch hinzu, dass ihn seine besten Freunde nicht mehr kennen. Gut, auch das soll ja im richtigen Leben vorkommen. Im Falle von Spider-Mans Alter Ego liegt das allerdings daran, dass er das nach den fünf Jahre zurückliegenden Ereignissen von „No Way Home“ selbst veranlasst hat. Was es auch nicht wirklich besser macht. MJ (Zendaya) hat inzwischen einen Freund gefunden, während der beste Kumpel Ned (Jacob Batalon) seinen Phantomschmerz in der digitalen Welt lindert. Und natürlich ist das Schlimme an dieser Art von Vergesslichkeit, dass die Schatten der Vergangenheit einen
trotzdem nie ganz loslassen.
Alles auf Anfang oder alles zu spät?
Nach recht hektischen ersten 20 Minuten geht es in der darauffolgenden Stunde von „Spider-Man: Brand New Day“ tatsächlich so trist zu. Hier und da erinnert man sich wehmütig an die vergleichsweise leichtherzigen Episoden auf der Klassenreise in „Far From Home“ zurück, obwohl die aufgrund des Ablebens von Tony Stark ja auch nicht ganz unbeschwert waren. Und doch gehört dieser erste Part des Films zum dem Besten, was wir bisher von diesem Franchise zu sehen bekommen haben. Die Grundstimmung knüpft direkt an die Spider-Man-Trilogie von Sam Raimi mit Tobey Maguire aus den Nullerjahren an und kommt dem einst von Stan Lee geschaffenen Großstadt-Desperado näher als die meisten anderen Spider-Man-Filme. Nach den beiden „The Amazing Spider-Man“-Filme mit Andrew Garfield und den drei MCU-Vorgängern unter der Regie von Jon Watts setzt Marvel nun tatsächlich vieles, wenn auch glücklicherweise nicht alles, auf Anfang.






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